Besuch der Edition Text und Kritik
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Das erste Mal brachte uns eine Führung außerhalb des Bibliothekswesens – am 28.01.2016 besichtigten wir die Edition Text und Kritik, Teil des Boorberg Verlages. Da sich im Verlag Büro an  Büro reiht, war es keine Führung im eigentlichen Sinne, vielmehr saßen wir in interessanter Gesprächsrunde mit dem Lektoratsteam zusammen und führten uns gewissermaßen anhand unserer Fragen selbst durch den Verlag. Denn in bereits probater Manier wurden wir von der Chefin der Edition mit den Worten empfangen: Verraten Sie mir doch, wie Sie heißen und welche Frage Sie mir mitgebracht haben. Unsere Fragen wurden in thematische Gruppen eingeteilt und anschließend beantwortet, so dass schließlich vor allem unsere Interessenschwerpunkte den Nachmittag leiteten. So wurden uns die Arbeitsweisen des Verlages erklärt, so manches Missverständnis über den Beruf des Lektors ausgeräumt (der kein klassischer Ausbildungsberuf ist, Lektoren wissenschaftlicher Verlage sind Studierte ihres jeweiligen Faches), uns teilweise neue Sichtweisen auf aktuelle Entwicklungen im Verlagswesen eröffnet, wobei der Verlag gleichermaßen auf unseren Input hoffte und ebenso an der bibliothekarischen Ausbildung interessiert war.
Unseren Kurs interessierte besonders die Arbeit im Lektorat, man konnte sich nicht so recht vorstellen, wie der allgemeine berufliche Alltag strukturiert ist. Die anwesenden Lektoren gaben bereitwillig Auskunft und bald war zu erkennen was ein Lektor so treibt: Beobachtung des Buchmarktes, Programmplanung, Akquise bzw. Ausbau bestehender Kontakte und das Lesen der eingesandten Manuskripte. Die Edition arbeitet heute noch klassisch mit dem Korrektorat zusammen – ihre Produkte sollen durch Lektorat und Korrektorat „veredelt“ werden – es besteht ein hoher Anspruch an die Qualität (Inhalt, Stilistik, Druck) der Erzeugnisse. Apropos Erzeugnisse, entgegen des allgemeinen Trends möglichst viel elektronische Medien zu publizieren, bringt die Edition Text & Kritik weiterhin einen Großteil ihres Programmes als Print heraus (und nein, die Kosten für die Erstellung von E-Medien ist nicht zwingend günstiger). Ihrer Ansicht nach ist es in Bezug auf ihr Programm auch weiterhin so gefragt.
Ein weiteres Thema drehte sich um die Preisgestaltung und Auflagenhöhe der Edition. Es wird versucht über moderate Preise nicht nur Bibliotheken als Kunden zu gewinnen, sondern auch interessierte Privatpersonen. Ein Teil der Kosten wird über Druckkostenzuschüsse kompensiert. Die Auflagenhöhe bewegt sich meist im Bereich weniger hundert Exemplare, größere Auflagen belaufen sich auf maximal dreitausend Exemplare. Ein nötiger Nachdruck wird anhand des Jahresbedarfs gewählt. Die Dauer bis ein Manuskript zum fertigen Druckwerk wird, ist bei der Reihe Text & Kritik im Idealfall mit ungefähr 3 Monaten anzusetzen, Monografien benötigen meist längere Zeit.
Dies soll nur ein kleiner Ausschnitt der besprochenen Themen des Nachmittags sein. Das Team war sehr engagiert und auskunftswillig und wir möchten uns bei allen Beteiligten der Edition für die etwas andere Herangehensweise an diese „Führung“ bedanken.

Susanne Gressirer, Theresa Hartig (Kurs Q3 Bibl 2015/2018)

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