Besuch im Druckzentrum der Süddeutschen Zeitung
Süddeutsche Zeitung

Platten, Kapillaren, Farbverhältnisse, … sehr technisch, aber auch sehr interessant wurde es bei unserem Besuch im Druckzentrum der Süddeutschen Zeitung im Osten Münchens. Um halb sechs begann am 28. April unser knapp zweistündiger Blick hinter die Kulissen, denn erst abends geht es in der Druckerei richtig rund. Im gemütlichen Besucherraum beleuchtete unser Guide zunächst die Geschichte der SZ, die am 6. Oktober 1945 mit der Lizenz Nr. 1 der amerikanischen Besatzungszone begann. Dann erläuterte er sehr anschaulich die Grundlagen des Druckverfahrens einer Zeitung, inklusive originaler Druckplatten und kleiner Anekdoten, zum Beispiel der zum Horror der Deadline – insbesondere bei Fußballspielen. Da geht es dann schon einmal um Minuten, damit das Bild der Siegermannschaft noch rechtzeitig aufs Titelblatt des nächsten Tages gebracht werden kann.
Bei der nachfolgenden Führung durch die „heiligen Hallen“ ging es laut und staubig zu. Auch hier sparte unser Guide nicht mit Anekdoten rund um den Druckereibetrieb: so erfuhren wir von der persönlichen Bindung, die jeder Drucker zu „seiner“ Maschine aufbaut (O-Ton: „Du darfst den Druck kritisieren, auch den Drucker, ABER NIE DIE MASCHINE!!!“). Fasziniert hat uns auch die Tatsache, dass das Drucken kein digitaler, sondern handwerklich-mechanischer Vorgang ist: bis der richtige Farbton getroffen wird, laufen viele fehlerhafte Exemplare über das Makulaturband… Aber keine Angst, Bäume müssen dafür nicht mehr sterben, denn die SZ ist sehr stolz darauf, recyceltes Papier für ihre Druckerzeugnisse zu verwenden, was beim Zeitungsdruck keine einfache Sache ist. Zwar konnten wir leider keinen (Papier-)Rollenwechsel bei laufendem Betrieb miterleben, aber wir erfuhren viel Wissenswertes aus der Rubrik „Wussten Sie eigentlich schon…?“ So lernten wir zum Beispiel, dass es bei der SZ bereits Anzeigendruck mit …  (Achtung, kein Scherz!) … Geruchserlebnis gibt!  Möglich macht dies eine speziell ausgetüftelte Drucktechnik. Wenn der SZ-Leser mit dem Finger dann über diese speziell gedruckte Stelle fährt, entströmt der Anzeige ein Duft, der beim Druck bereits mit eingearbeitet wurde. Wir halten also fest: Auch beim Thema Geruch/Duft ist der Druck dem Fernsehen weit voraus! 😉
Es war für uns sehr spannend zu sehen, wie viel Organisation und Feinabstimmung in der Zeitung steckt, die jeden Morgen im Briefkasten landet. Wir werden unsere Exemplare in Zukunft wohl um einiges ehrfürchtiger aufschlagen.
Kurs Q3 Bibl. 2014/17

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