Ein Kurs geht um die Welt – Teil 4: Bozen (Südtirol)
UB Bozen

Regina (R): Iris, Dich hat es ja in den alpinen Raum gezogen, genauer gesagt nach Bozen, wo Du an der dortigen Universitätsbibliothek warst. Was sind die Besonderheiten der Universität Bozen und wie wird von bibliothekarischer Seite damit umgegangen?
Iris (I): Die Universität Bozen erfüllt perfekt das geflügelte Wort „klein, aber fein“.
Mit knapp 3.000 Studierenden bei 5 Fakultäten ist sie zwar bestimmt nicht die größte Universität Italiens, umso persönlicher ist der Kontakt zu den Studierenden und es kann individuell auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden.
Besonders ist auch die sprachliche Situation: In der autonomen Provinz Südtirol wird Italienisch, Deutsch und Ladinisch gesprochen. Diese sprachliche Vielfalt spiegelt sich an der Universität wider, die offiziell dreisprachig ist. Alle Mitarbeiter und Studierenden beherrschen Englisch, Deutsch und Italienisch – und einige bringen selbstverständlich auch ihre ladinischen Sprachkenntnisse mit.
Diese Besonderheiten machen sich in allen Bereichen der täglichen Arbeit an der Universitätsbibliothek bemerkbar, sei es bei der Erwerbung von Medien in allen drei Sprachen bei spezifischen Lieferanten, bei der Katalogisierung der Medien oder beim Umgang mit Benutzern aller vier Muttersprachen.
Daneben ist die Universitätsbibliothek ein zentraler Knotenpunkt im wissenschaftlichen Bibliothekswesen Südtirols. In Kooperation mit zahlreichen Partnerinstitutionen betreut die Universitätsbibliothek den gemeinsamen Online-Katalog und Discovery Service Primo und ist ein zentraler Verteiler in der südtirolweiten Lieferung von Medien aller Standorte zu den von Benutzern gewünschten Abholstellen.
R: Wie hat Dir die Arbeit und Atmosphäre dort gefallen und was waren Deine Aufgaben?
I: In vielen interessanten Gesprächen durfte ich alle Abteilungen der Universitätsbibliothek kennenlernen – von Erwerbung, Katalogisierung und Benutzung von analogen und digitalen Medien bis hin zu Fernleihe, IT und Universitätsverlag.
Daneben konnte ich eigenständig an drei Projekten arbeiten:
–    Projekt Bibliotheksrallye: Für die JuniorUni, ein Angebot für 10 bis 12jährige, das erste Kontakte zur Universität vermittelt, entwickelte ich ein neues Konzept, mit dem den Junior-Studenten auf spielerische Art und Weise Funktionsweise und Services der Universitätsbibliothek nahe gebracht wird.
–    Projekt ALMA: Im Rahmen der Vorbereitungen für den Umstieg auf RDA arbeitete ich an der Erstellung von Angleichungsroutinen und neuen Satzschablonen für den Metadata-Editor, die Katalogisierungskomponente des Bibliothekssystems ALMA, im MARC-21-Datenformat mit – von theoretischen Vorüberlegungen bis zur Test-Implementierung.
–    Projekt Scopus: Als Grundlage für die nationale Evaluation der Freien Universität Bozen wird u.a. das Publikationsverhalten der Mitarbeiter anhand bibliometrischer Daten der Datenbank Scopus herangezogen. Deren Überprüfung und Bereinigung war ein weiteres Projekt, bei dem ich viel über verschiedene Werkzeuge der Bibliometrie lernen konnte.
Spannend waren auch die Ausflüge zu den anderen beiden Standorten der Unibibliothek: Neben Bozen gibt es die Bibliothek auch in Brixen und Bruneck, jeweils perfekt auf die dort angebotenen Studiengänge der Freien Universität ausgerichtet.
Die familiäre und innovative Atmosphäre in dem vergleichsweise kleinen Bibliotheksteam hat mir sehr gut gefallen. Egal ob deutsch- oder italienischsprachig, alle Kollegen sind per Du und kommunizieren mal in der einen, mal in der anderen Sprache miteinander – beispielsweise bei der obligatorischen Espresso-Pause am Vormittag oder beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa.  Und getreu dem Motto „wer rastet, rostet“ wird permanent an der Verbesserung und Einführung neuer Services gearbeitet – damit die Benutzer ihre biblioteca/Bibliothek/library auch in Zukunft weiterhin ins Herz schließen.
R: Da scheinst Du ja wirklich gut beschäftigt gewesen zu sein! Welche touristischen Highlights des Landes konntest Du während Deines Aufenthaltes neben der Arbeit kennenlernen? Was ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?
I: Neben dem Waltherplatz mit dem Dom, der Laubengasse und dem „Ötzi“ kann man in Bozen und Umgebung horizontal wie selbstverständlich auch vertikal zahlreiche weitere touristische Sehenswürdigkeiten entdecken, sodass es auch in der freien Zeit neben dem Praktikum niemals langweilig wird. Besonders gern erinnere ich mich an den Besuch im Museion, dem Bozner Museum für moderne Kunst, wo ich im Rahmen einer Führung die aktuelle Ausstellung von Francesco Vezzoli kennengelernt habe, die mein Kunstverständnis fundamental ins Wanken gebracht hat…
Und für wen es noch ein bisschen mehr Italien sein darf, der kann ganz bequem in eineinhalb Stunden mit dem Zug nach Verona fahren – ein Stadtbummel über Gassen und Plätze unter den berühmten Balkonen lohnt sich ganz sicher!
R: Iris, hab vielmals Dank für Deine Einblicke, die Du uns in das Universitätsbibliotheksleben einer Alpenstadt gewährt hast!

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