Ein Kurs geht um die Welt – Teil 7: St. Gallen (Schweiz) Stiftsbibliothek St. Gallen
St. Gallen

Regina (R): Wie hat es Dir in der Stiftsbibliothek St. Gallen gefallen und was waren Deine Aufgaben?
Elisabeth (E):Die Mitarbeiter waren alle sehr nett und haben mich herzlich aufgenommen. Meine Aufgaben dort waren sehr vielseitig, von typischen Praktikantentätigkeiten, wie Postdienst oder Bücher aus den Magazinen holen und wieder verräumen (schweizerisch „versorgen“), bis hin zu beinahe wissenschaftlichen Tätigkeiten war alles dabei. Ich durfte eine Liste noch unsicherer Inkunabeln bearbeiten und versuchte dabei anhand des Originals und verschiedener Online-Verzeichnisse Angaben wie Erscheinungsjahr, Offizin und Drucker usw. herauszufinden. Besonders gefallen hat mir eine Aufgabe für das Schweizer Fernsehen, für das ich in vielen alten Drucken nach Abbildungen bestimmter Heilpflanzen suchen musste.

R: Wie würdest Du sagen, ist die Bibliothek innerhalb des schweizerischen Bibliothekswesens positioniert?
E: Mit einem Bestand von etwa 170.000 Bänden ist die Stiftsbibliothek im regionalen und nationalen Vergleich sicher keine der größten Bibliotheken. Aber mit ihrer großen Anzahl an Handschriften, Inkunabeln und Alten Drucken und ihren diversen Sammelschwerpunkten, beispielsweise zur Geschichte St. Gallens und des Klosters, aber auch zu Paläographie und zur Handschriftenkunde des Mittelalters ist sie doch eine bedeutende Spezialbibliothek, die von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt genutzt wird. Sie ist die älteste Bibliothek in der Schweiz und verfügt über mehr als 2000 Handschriften und mehr als 1600 Inkunabeln und Alte Drucke.

R: Hattest Du auch Zeit, touristisch in der Schweiz unterwegs zu sein? Was hast Du Dir denn alles angesehen? Was ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
E: Ich habe mir vor allem St. Gallen und seine Museen angesehen, da ich ohne Auto vor Ort war. Uns Bibliothekaren möchte ich das Textilmuseum mit der enthaltenen Textilbibliothek ans Herz legen, die über 2000 Musterbücher aus Schweizer Textilfirmen und auch Original der berühmten St. Galler Stickindustrie, aber auch Sekundärliteratur zu verschiedensten Themen im Bereich Textil, Handarbeit und Design in ihrem Bestand hat. Aber das Highlight jeder St. Gallenreise ist sicherlich die Stiftsbibliothek selbst, mit ihrem wunderschönen Barocksaal und den halbjährlich wechselnden Ausstellungen. Ich habe in meinen vier Wochen Praktikum einen Ausstellungswechsel miterlebt und kann so sagen, dass die Ausstellungskultur dort sehr professionell und wissenschaftlich betrieben wird und dass alle Ausstellungen sehr interessant sind. Die letzte Ausstellung war „Der Advent des Buchdrucks“ mit Schmuckstücken aus dem Umfangreichen Inkunabelbestand. Die derzeitige Ausstellung „Abracadabra“ zeigt noch bis November Handschriften zur Medizin im Mittelalter.

Link zur Panorama-Ansicht des Barocksaals

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