Information? Ethik? Informationsethik?
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Informationsethik beschäftigt sich allgemein ausgedrückt damit, wie sich Menschen (als Einzelpersonen bis hin zu Institutionen und Kulturkreisen) bei der Verbreitung und im Umgang mit Informationen moralisch ethisch verhalten und verhalten sollen, dies v.a. auch in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien. Umso mehr man sich mit dem Begriff Informationsethik beschäftigt, desto bewusster wird einem, wie vielschichtig dieser ist und wie viele unterschiedliche Einstiegspunkte es zum Thema gibt.

Smart Home, Internet Dating und Videospiele sind mittlerweile feste Bestandteile unserer heutigen Gesellschaft. Unser Leben verlagert sich zunehmend in virtuelle Räume und impliziert dadurch neue Verhaltensregeln und moralische Werte. Dieser Meinung ist zumindest Rainer Kuhlen, ein deutscher Wissenschaftler, der sich mit Informationsethik auseinandersetzt. Einen anderen Blick auf das Thema hat der Philosoph Rafael Capurro, der sich vor allem für Informationsgerechtigkeit einsetzt und den eng damit verbundenen „Digital Divide“ überwinden möchte.

Wie lässt sich das nun auf Bibliotheken übertragen?

Im bibliothekarischen Alltag spielen moralisch relevante Werte, wie z.B. Informations-, Meinungs- und Zensurfreiheit, soziale Verantwortung, Datenschutz, Urheberrecht, Neutralität und Fachkompetenz, vom Sammeln der Literatur bis hin zur Bereitstellung schon lange eine große Rolle. Nicht nur Bibliotheken als Institutionen können durch Leitbilder einen ethischen Handlungsrahmen definieren, sondern auch Bibliothekare/innen als handelnde Personen müssen sich mit Informationsethik auseinandersetzen. Schon seit den 1930er Jahren beschäftigen sich bibliothekarische Berufsverbände  auf nationaler und internationaler Ebene mit der Entwicklung von Berufsethiken als Werteorientierung für die Praxis. Neben einer positiven Wirkung nach innen und außen gibt es auch Stimmen, die darin die Voraussetzung für die Professionalisierung eines Berufsstandes sehen. In Deutschland besteht nach einigen Anlaufschwierigkeiten des Berufskodex „Ethik und Information“, der 2007 vom BID verabschiedet wurde, mittlerweile erhöhtes Interesse an dem Gegenstandsbereich. Trotzdem sollen weitere Maßnahmen zur Verbreitung berufsethischer Themen, wie z.B. Berichte in Fachzeitschriften und Fort- und Weiterbildungsangebote, folgen.

Bei der abschließenden Diskussion mussten wir feststellen, dass es schier unmöglich ist, alle informationsethischen Aspekte gleichzeitig zu berücksichtigen. Dass man einem jungen Nutzer, dessen Kleidung ihn als Sympathisanten einer linksradikalen Organisation erkennen lässt, ein Buch mit einer Anleitung zum Bau einer Bombe zugunsten des Jugendschutzes nicht aushändigt, klingt logisch, zumindest ohne Nachweis eines Forschungszweckes. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass so eine Zensur durch die Bibliothek vorgenommen und die Informationsfreiheit des Jungen eingeschränkt wird. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie schwierig es in der Praxis ist, die einzelnen moralischen Werte miteinander in Einklang zu bringen. Man kommt nicht umhin, Kompromisse einzugehen und sich jedes Mal aufs Neue mit moralisch sittlichen Werten zu beschäftigen.

Bei Interesse: https://www.fbi.fh-koeln.de/efubip/  (Fallstudiensammlung mit ausgewerteten Beispielen der TH Köln)

Theresa Hartig, Laura Meier (Kurs 15/18)

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