Ab in die Cloud
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„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos  sein“ – Ob Reinhard Meys Liedtext auch auf die Thematik Cloud Computing zutrifft, diskutierte die AG „Ab in die Cloud“, als sie am 08.12.2016 zur ersten Sitzung zusammentraf. Gedanken und Argumente zu der Implementierung eines cloud-basierten Informationssystems in der eigenen Bibliothek wurden angeregt ausgetauscht. Es trafen die verschiedensten Meinungen unter anderem von Studierendenvertretungen, Bibliothekaren und einem Providervertreter aufeinander.
Unter Cloud Computing versteht man das an den Bedarf angepasste Angebot, Nutzen und Abrechnen von IT-Ressourcen über ein Netz. Das bekannteste Merkmal, der sogenannte Broad Network Access, bietet Nutzern die Möglichkeit, auf alle Services über ein Netz, z.B. das Internet, zuzugreifen, weshalb Daten in der Cloud weltweit zugänglich sind. Zusätzlich spart die Bibliothek durch den sofortigen einfachen Zugang zu Servern zu festgelegten Preisen die Zeit von langfristigen Angebotsverhandlungen ein (engl. on-demand self-service). Charakteristisch für cloud-basierte Infrastukturen und für die Bibliothek besonders interessant sind die Elastizitätseffekte. Sie erlauben ihr, verschieden große Mengen an Daten zu speichern, da IT-Ressourcen nach Bedarf reserviert und wieder freigegeben werden können. Daraus folgt die bedarfsorientierte Abrechnung (engl. measured service), bei der nur wirklich genutzte IT-Ressourcen bezahlt werden. Dies steht im Gegensatz zu eigens betriebenen Servern, die auch ungenutzt Kosten verursachen. Die Flexibilität bei Cloud-Services wird durch gemeinsame Ressourcennutzung (engl. resource pooling)  ermöglicht, da hierbei Ressourcen, die ein Kunde nicht mehr benötigt, flexibel einem anderen zugeteilt werden können.
Neben den genannten Vorteilen, birgt Cloud Computing auch Gefahren, auf die von einigen Mitgliedern der AG hingewiesen wurde. Die Angst vor qualitativ minderwertigen Katalogisaten aus dem WorldCat, von dem Daten übernommen würden, steht aus bibliothekarischer Sicht im Vordergrund. Vor allem die Studenten kritisierten, dass niemand wüsste, wo ihre personenbezogenen Daten gespeichert wären. Auch ein  IT-Mitarbeiter meldete sich mehrmals zu Wort, um seine befristete Stelle zu verteidigen, da diese durch Outsourcing der IT-Leistungen einer Bibliothek eingespart werden könnte. Der Bibliotheksdirektor sieht in der Einsparung jedoch einen finanziellen Vorteil, der sich positiv auf die bibliothekarischen Dienstleistungen auswirken kann.
Als Kompromiss schlug ein eingeladener Bibliothekswissenschaftler vor, in einer Community Cloud die Vorteile der Cloud zu nutzen und die Nachteile größtenteils zu umgehen. Weil sich dabei mehrere Institutionen mit gleichem Interesse die Infrastruktur teilen, können so ohne Sicherheits- und Kontrollverluste die Elastizitätseffekte ausnutzen. Eine Bezahlung auf FTE-Basis (full time equivalent) würde kleinere Bibliotheken zusätzlich finanziell schonen. Aufgrund ihrer langjährigen Zusammenarbeit wäre dieses Bereitstellungsmodell für Bibliotheksverbünde besonders gut geeignet.
Dass die Freiheit leider auch in der Cloud nicht grenzenlos ist, war zum Ende der Sitzung wohl allen Teilnehmern klar und im Gegensatz zu Reinhard Meys Aussage bleiben auch die Ängste darunter nicht verborgen. Den meisten dieser Befürchtungen kann die Idee einer verbundweiten Community  Cloud aber entgegenwirken. Der Bibliotheksdirektor versprach darum abschließend, den Vorschlag auch anderen Bibliotheken vorzustellen.

Franziska Zenkel und Hannah Dassler, Kurs 2015/18

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