Reise in die Welt der Buchmaler
Buchmaler

In Zeiten, in denen die Bayerische Staatsbibliothek mit Ihrer Ausstellung „Bilderwelten“ die Buch-begeisterten Besucher verblüfft, war es nicht verwunderlich, als man aus dem Raum des Kurses Q3 2015/18 am Nachmittag des 9.01.2017 nur das leise Kratzen von Federn und das Tropfen von Tinte auf Papier hörte. Denn statt, wie sonst, nur die schönen Prachtbände mit der Buchmalerei des Mittelalters von weitem in der BSB oder online zu betrachten, ermöglichte der Kaligraph und Buchmaler Jörg Schwarzenbach einen praktischen Einblick in die Kunst, Wörter zu malen und mit Bildern zu erzählen.
Dabei gab es, natürlich, auch eine kleine Wiederholung der Theorie zur Buchgeschichte, die der Kurs seit diesem Semester am Fachbereich durchnimmt – von der Antike zur Neuzeit – wobei in diesem Fall im späten 16. Jahrhundert Schluss war mit der klassischen Buchmalerei, weshalb Herr Schwarzenbach auch selbst eine nahezu ausgestorbene Rarität im 21. Jahrhundert ist. Nur zwei andere Personen in Europa können sich heute noch wirklich Buchmaler nennen, wobei es natürlich für den Beruf des Kaligraphen noch mehr zu tun gibt und diese daher auch noch weiter verbreitet sind.
Nach der Geschichte der Schrift, sowie welche Materialien als Untergrund zum Schreiben seit der Antike genutzt wurden, begann es schon praktischer zu werden: Die eigene Tinte wurde angerührt, mit Ruß, Wasser, Gummi arabicum sowie – natürlich – Ochsengalle! Eben genau so, wie noch vor hunderten von Jahren auch.
Bevor man nun aber zur Tat schreiten konnte – Tinte und angespitzte Gänsefeder bereit – gab es noch einen Spaziergang durch die Farbenwelt, die damals wie heute teuer war und zumindest damals nicht durch andere chemische Mittel ersetzt werden konnte.
Da gibt es Lapislazuli-Blau oder auch Ultramarin genannt, das bis heute nur im Gebirge von Afghanistan als Gestein abgebaut werden kann oder Purpurrot aus den winzigen Purpurschnecken, von denen man tausende braucht, um das so teure Pergament einzufärben und es so noch teurer zu machen.
Auch wenn man kurz enttäuscht war vom Drachenblut, das leider nicht von echten Drachen kommt, herrscht große Aufregung, wenn man dann selbst ran darf: Eine geschwungene Initiale da, ein bisschen goldene Blumen dort, und fast war man selbst einer der vielen unbekannten Buchmaler, die Prachtbände illustriert haben, nachdem sie noch per Hand mit Rußtinte und in der karolingischen Minuskel gefüllt worden waren.
Aber nur fast. Denn allzu schnell war die Zeit vorbei und dem Maler wurde bewusst, dass es gut ist, dass er nur Bibliothekar werden wird und nicht Buchmaler – denn hätten alle Buchmaler von damals sein Talent gehabt, tja, dann hätte die BSB heute wohl nichts zum ausstellen!

Franziska Zenkel (Kurs QE 3 Bibl 2015/18)

About

Categories: Fortbildung Schlagwörter: