Bücher aus einer anderen Perspektive – Unser Besuch bei edition text+kritik
etk 2017

Der Wissenschaftsverlag edition text+kritik ist vor allem durch das KLG (Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur) und der Literaturzeitschrift, die dem Verlag auch seinen Namen gab, TEXT+KRITIK bekannt. Unsere Blicke reichten dieses Mal jedoch tiefer, denn der Kurs QE3 Bibl. 2016/2019 besuchte am 12.01.2017 den Verlag in München.
Drei Lektoren des Verlages mit den jeweiligen Themenschwerpunkten Literaturwissenschaft, Musik und Film standen uns Rede und Antwort. Die Geschichte des Verlags, ein Teil des Programmes und auch die Arbeit als Lektor wurde uns aus nächster Nähe erzählt – von echten Profis. Wie im Verlag die Kommunikation mit Autoren, Druckereien, Herausgebern, Redakteuren, Lektoren und vielen anderen miteinander und untereinander läuft, wissen wir jetzt. Und ebenso, dass das manchmal nicht so ganz einfach ist, wenn Abgabetermine einzuhalten sind, Autoren Textstellen nicht ändern wollen oder Fehler falsch ausgebessert wurden. „Das romantische Verhältnis zwischen Lektor und Autor, das wir uns vielleicht vorstellen, existiert leider meist nicht“, erklärte uns Frau Brandt, Lektorin für Literaturwissenschaft, die aus eigener Erfahrung spricht. Sie meinte, dass dies in einem kleineren Verlag wie edition text+kritik mit Auflagen der Einzeltitel von 350-750 Exemplaren einfach zu zeitintensiv wäre.
Wir durften sogar einen Blick auf die erste TEXT+KRITIK-Ausgabe dieses Jahres werfen. Sie ist Kurt Drawert gewidmet und war gerade erst druckfrisch eingetroffen. Die Literaturzeitschrift erscheint übrigens immer in einer Auflage von etwa 1000 Exemplaren. Aber auch über einige der 60 anderen Neuerscheinungen, die der Verlag jährlich auf den Markt bringt, wurden wir informiert, so zum Beispiel eine zweite Literaturzeitschrift, die erst seit 2014 existiert, genannt „schliff“. Hierin können auch Nachwuchsautorinnen und -autoren schreiben. Weiterhin lernten wir die Reihe über das Verhältnis von Film und Musik kennen: „FilmMusik“. Auch hier wurden unsere Fragen beantwortet: Wie wählen Sie die Künstler für ihre nächsten Ausgaben aus? Müssen Autoren einen Druckkostenzuschlag bezahlen? Wenn ja, wie hoch? Oder erhalten sie sogar ein Honorar? Die Lektoren erklärten uns, dass man auf Abwechslung im Programm achte, sowie auf Wünsche des Herausgebers und Verfügbarkeit von Autoren zu bestimmten Themen. Oft müsse ein Druckkostenzuschlag gezahlt werden, etwa meist 10-12€ pro Seite, da sonst das Verlagsrisiko einfach zu hoch wäre, falls sich der Titel schlecht verkaufen lässt. Aber der Autor erhält natürlich auch eine entsprechende Gegenleistung: ein gutes Lektorat. Ein Honorar ist selbstverständlich auch möglich, beispielsweise ab einer bestimmten Verkaufszahl des Werkes.
Wir erhielten einen umfassenden Einblick, wie viel Arbeit und Herzblut es braucht, um ein gutes Buch zu veröffentlichen und welche Schwierigkeiten auch dahinterstecken – ansonsten sieht man in Bibliotheken meist ja erst die fertigen Bücher – außer man muss wie beispielsweise im KLG Loseblattergänzungen und Aktualisierungen einlegen!
Der Perspektivenwechsel war also durchaus eine tolle Erfahrung!

Wir möchten uns hiermit auch noch einmal bei Frau Brandt, Herrn Fenner, Herrn Schäfer und Frau Ingmanns von der Geschäftsleitung bedanken, dass sie sich so viel Zeit für uns genommen, jede unserer Fragen ehrlich beantwortet und diesen Perspektivenwechsel ermöglicht haben!

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