Drei Wochen in einer kirchlichen Spezialbibliothek – die Diözesanbibliothek Würzburg
Diözesanbibliothek Würzburg 1

Habt ihr schon mal etwas über die kirchliche Pflichtabgabe gehört? – Ich auch nicht. Bisher kannte ich nur das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG), das unter anderem die staatliche Pflichtabgabe in Deutschland regelt. Mit der kirchlichen Pflichtabgabe hat es dagegen folgende Bewandtnis: Eine Diözesanbibliothek ist die Pflichtabgabestelle einer Diözese. Das heißt: Alle Dienststellen und Einrichtungen der Diözese sind verpflichtet, von jedem zur Veröffentlichung bestimmten Druckerzeugnis oder sonstigen Medienträger (ungeachtet der staatlichen Regelung zur Pflichtabgabe!) ein Exemplar kostenfrei an die Diözesanbibliothek abzugeben. Damit ist sie zugleich auch die Archivbibliothek der Diözese. Diese Definition trifft auch auf die Diözese Würzburg und deren Diözesanbibliothek (kurz ‚DBW‘) zu.
Unter anderem sammelt die DBW aber auch wissenschaftliche Buchnachlässe. So habe ich während meines dreiwöchigen Kurzpraktikums als Projekt den Buchnachlass des Prälaten Josef Ziegler betreut. Zu den literarischen Vorlieben dieses Geistlichen gehörten neben den Biografien von kirchlichen Würdenträgern wohl auch belletristische Darstellungen über Afrika!

Neben meinen bibliothekarischen Aufgaben habe ich auch Einblick in das Archiv der Diözese, das mit der Bibliothek in einem Haus untergebracht ist, erhalten. Bibliothek und Archiv teilen sich einen Lesesaal und die Benutzer – hauptsächlich Familien- und Heimatforscher. Aber auch Seminaristen des benachbarten Priesterseminars zählen dazu. Der beim Einzug in das Gebäude 2005 befürchtete Ansturm von Jura-Studenten (die Teilbibliothek Recht befindet sich gleich auf der Straßenseite gegenüber) blieb aber aus, wohl, weil die Benutzer des Archivs und der Bibliothek klingeln und sich an der Pforte anmelden müssen…
Weil die DBW unter anderem schwerpunktmäßig Andachts- und Gebetbücher sammelt, besuchte ich mit zwei Mitarbeitern auch einmal das Würzburger Karmelitenkloster Maria Magdalena. Denn bevor die Exemplare in den Bestand der Bibliothek wandern konnten, wollten sich die Bibliothekarinnen ein Bild über die Medien machen. Weil sie alle in gutem Erhaltungszustand waren, konnten wir sie gleich mitnehmen. Doch zuvor gab uns ein Bruder noch eine spontane Führung durch die Räumlichkeiten der Hausbibliothek der Würzburger Karmelitenbrüder sowie durch die „Karmelitanerbibliothek“, eine Spezialbibliothek des Karmelitenordens, der hier eine Spezialsammlung mit Werken von und über Thérèse von Lisieux in anderen Sprachen (z.B. arabisch) und Schriftzeichen (z.B. kyrillisch) unterhält. Diese Sammlung gehört aber nicht den Würzburger Brüdern, sondern ihrem Orden.
Einige Arbeitsabläufe in der Diözesanbibliothek waren mir aus dem Grund nicht vertraut, weil die UB Würzburg, meine Ausbildungsbibliothek, diese anders gestaltet: Zum Beispiel erfolgt die Erwerbung neuer Bücher über Bestellungen per Brief an die Würzburger Buchhändler. Titeldaten via „schneller Übernahme“ von Aleph in den lokalen EC bekommen? – Fehlanzeige. Denn: Die Diözesanbibliothek hat keinen. Apropos EC: Die Lokaldatenaufnahme und -bearbeitung (z.B. Signatur und Inventarnummer) erfolgt deshalb in Lokalsätzen über Aleph – auch eine ganz neue Erfahrung für mich, die die Arbeit mit dem EC im bibliothekarischen Berufsalltag gewohnt ist.

Diözesanbibliothek Würzburg 2

Mein persönliches Highlight während meiner Zeit in der Domerschulstraße 17 – Immer, wenn ich für mein Projekt Bücher aus dem Magazin geholt habe, bin ich mit meinem Wagen an der Wohnungstür von Paul Werner Scheele, dem ehemaligen Bischof von Würzburg, vorbeigekommen. Dieser hatte mich 2002 gefirmt. Er lebt seit seiner Emeritierung 2003 in einer Wohnung im Gebäude der Diözesanbibliothek! In einer Bibliothek wohnen… Auch nicht schlecht! 😉

Luisa Schrauth, Kurs QE 3 Bibl 2014/17

 

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