Besuch des NS-Dokumentationszentrums am 03. Mai 2017
NS-Dokumentationszentrum

Es ist das erste Mal, dass der Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen (also die Kurse 2014/17 und 2015/18) das im Jahr 2015 eröffnete NS-Dokumentationszentrum München besucht. Noch überwältigt von der Fülle an Zeitungs- und Filmauschnitten, den Zeitzeugenberichten und Anekdoten, die uns im Dokumentationszentrum eindrucksvoll präsentiert wurden, ist nun dieser kleine Bericht entstanden.
Doch beginnen wir am Anfang: Unsere Führung startet mit Frau Eras und Frau Jacobsen – aufgrund der Größe wird die Gruppe aufgeteilt – um 14:00 Uhr in der Brienner Straße 34. Später werden wir erfahren, dass an diesem historischen Ort, an dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Villa stand, die Parteizentrale der NSDAP zu finden war. Unweit des Königsplatzes, auf dem die Nationalsozialisten ihre Aufmärsche exerzierten, befand sich das Haus inmitten eines für den NS-Kult wichtigen Viertels.
In den Wirren der Nachkriegszeit hatte man allerdings kein Bewusstsein für die historische Bedeutung des Ortes. Die Villa wurde zusammen mit den umliegenden Ehrentempeln zerstört. Erst Anfang der 90er wurde auf Privatinitiative eine Gedenktafel errichtet, gefolgt vom Bau des heutigen NS-Dokumentationszentrums. Dieses Gebäude soll sich durch seine Gestaltung – kubischer Bau mit vielen schmalen Fenstern – gezielt von der Vergangenheit absetzen und zugleich das Augenmerk auf die unmittelbare, historisch bedeutsame Umgebung lenken.
Nachdem wir über das Gebäude aufgeklärt wurden, geht unser Rundgang weiter in das Untergeschoss, wo sich das sogenannte Lernforum befindet. Das Forum umfasst zum einen eine kostenlos nutzbare Präsenzbibliothek, in der sich sämtliche Ausstellungstexte und -bilder sowie Zeitzeugeninterviews und vieles mehr finden lassen. Außerdem stehen dort einige Smart Tables, an denen interaktiv Informationen zur NS-Zeit entdeckt werden können. Neben der Bibliothek stellt das Dokumentationszentrum auch Seminarräume für diverse Bildungsangebote den unterschiedlichsten Zielgruppen zur Verfügung.
Nun beginnt der Hauptteil der Führung, nämlich durch die Dauerausstellung, für die wir per Aufzug in den vierten Stock fahren. Dort angekommen, werden wir von unseren beiden Guides mit wissenswerten Informationen und Anekdoten versorgt, die wahrscheinlich nicht jedem bekannt sein dürften, und durch die Ausstellung wieder zurück ins Erdgeschoss geführt.
Thematisch sind die oberen drei Stockwerke nach den verschiedenen Phasen der NS-Zeit aufgeteilt, angefangen mit dem Ende des Ersten Weltkrieges über die Machtergreifung Hitlers bis zur Nachkriegszeit und der damit einhergehenden Entnazifizierung. In den einzelnen Etagen wird das Schicksal der Verfolgten und die generelle Situation in Deutschland eindrücklich durch verschiedenste Medien und Präsentationsformen dargestellt. So vermitteln Briefe, Zeitungsausschnitte, Propagandaplakate und alte Filmaufnahmen – darunter auch von der BSB bereitgestelltes Material – ein umfangreiches und dramatisches Bild der damaligen Lebenssituation vieler Menschen.
Abgerundet wird das Ganze im ersten Stock, der sich konkret mit dem NS-Erbe Deutschlands befasst. Hier befindet sich u.a. ein interaktiver News-Ticker mit Schlagzeilen über (Neo)-Naziverbrechen aus jüngster Vergangenheit, die von den Besuchern im Volltext nachgelesen werden können. Darüber hinaus laufen im ersten Stockwerk auch alle drei bis vier Monate Kurzausstellungen, aktuell eine mit dem Thema „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute.“
Auch wenn wir keine Gelegenheit während der Führung hatten, um uns selbst die vielen einzelnen Texte und Berichte durchzulesen, so hat sich der Besuch doch für uns gelohnt. Dass ein Besuch der Ausstellung einiges wert ist, ließ sich nicht zuletzt auch anhand der doch beachtlichen Besucheranzahl an diesem Tag erkennen.
Wir bedanken uns bei Frau Eras und Frau Jacobsen für die informative und eindrückliche Führung und hoffen, dass auch zukünftige Kurse die Gelegenheit bekommen werden, das NS-Dokumentationszentrum besuchen zu können.

Christian Einsiedel, Lena Fischer

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