„A dream come true? – E-Books in der Fernleihe“ – Vortrag von Dr. Berthold Gillitzer am 17.01.2018
Fernleihe

Digitalisierung im Bibliothekswesen ist ein hochaktuelles Thema. Als stellvertretender Leiter der Abteilung Benutzungsdienste, zuständig für das Referat  Dokumentlieferung und elektronische Benutzungsdienste der BSB, gab Dr. Gillitzer im Rahmen seines Gastvortrages im Fachbereich des Archiv- und Bibliothekswesens der HfÖD einen Einblick in den aktuellen Stand der Fernleihmöglichkeiten bei E-Books im Bibliotheksverbund Bayern.
Warum E-Books in der Fernleihe? Grundsätzlich sei eine große überregionale Nachfrage an E-Medien vorhanden, die im Konflikt mit dem Gebot stand, nur physische Medien in die Fernleihe zu geben. Daraus entstand Handlungsbedarf, der allerdings nicht von allen Beteiligten erkannt wurde. So verweigerte die DFG die Bezuschussung durch Fördermittel für ein Fernleihprogramm bei E-Medien, woraufhin die BSB auf eigene Kosten Abhilfe schaffen musste. Das Grundkonzept umfasst die Abdeckung eines begrenzten Spitzenbedarfs, ohne dass den Verlagen dadurch Nachteile entstehen, die aber auch möglichst homogen und benutzerfreundlich sein sollte. Als bisher einzig praktikable Alternative erwies sich ein temporärer,  begrenzter Zugang für externe Nutzer. Die über den Lokalkatalog oder den Gateway Bayern eingehenden Bestellungen müssen dabei, in Analogie zur gängigen Fernleihe, manuell bearbeitet werden, laufen aber ebenso über den zentralen Fernleihserver.  Obwohl bisher keine technischen Mängel bei der Anwendung dieses Verfahrens im Rahmen des Pilotversuchs aufgetreten sind, läuft die Beteiligung sowohl von Verlagsseite, als auch von Seiten der anderen Verbünde, eher schleppend an – entgegen der hohen Akzeptanz bei den Nutzern (vielleicht auch, weil der Fernleihvorgang nicht immer eindeutig sichtbar wird): Lizenzverhandlungen sind für Verbünde oder einzelne Bibliotheken langwierig und aufwändig, während die Wissenschaftsverlage um ihre Verkaufszahlen bangen.
Da sich nach Ablauf eines Jahres jedoch herausstellte, dass die Bestellrate für Print- und E-Medien bis auf die dritte Nachkommastelle identisch war, und das System damit exakt dem Fernleihbedarf dient, konnte diese Bedenken ein Stück weit abgemildert werden, ebenso ergibt sich daraus eine neue Argumentationsgrundlage gegenüber der DFG. Auf Bibliotheksseite halfen hier Musterlizenzen und Möglichkeiten zur konsortialen Lizensierung. Als Nachteile ergeben sich aber nach wie vor das begrenzte Titelangebot bei immer noch steigendem Bedarf, die regionale und zeitliche Begrenzung der Lizenzen, sowie die fast ausschließliche Beschränkung auf das PDF-Format. Als weiterhin offene Ziele ergeben sich damit eine breitere Beteiligung der Verlage, überregionale Verfügbarkeit und Bereitstellung im Format E-Pub. Fazit: E-Book Fernleihe muss sich in Zeiten zunehmender Digitalisierung zu einem Standardangebot wissenschaftlicher Bibliotheken entwickeln.

Kurs QE 3 Bibl. 2017/2020

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