„Bibliothek? … Wow! … Cool!“ – Vortrag von Herrn Dr. Werner
Dr. Klaus Ulrich Werner

Was macht einen attraktiven Bibliotheksraum aus? Wie können Funktionalität und Ästhetik ein harmonisches Ganzes ergeben?

Diese für uns angehende Bibliothekarinnen und Bibliothekare so wichtigen Fragen und ihre vielseitigen Antwortmöglichkeiten beleuchtete Dr. Klaus Werner, der Leiter der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin, am Nachmittag des 04.12.2017. In einem Vortrag mit dem treffend gewählten Titel „So cool wie ein Apple-Store – Trends bei der Gestaltung von Bibliotheken“ ermöglichte er uns, den Kursen 2016/19 und 2017/20, Einblicke in neue (Bibliotheks-)Welten, die sich teilweise deutlich von den leider weit verbreiteten, oft noch recht angestaubten Klischees über Bibliotheken unterscheiden. Anhand zahlreicher Bilder führte uns Dr. Werner durch seine ebenso kurzweilige wie lebendige Präsentation, die vor allem die Idee der Bibliothek als dritten Ort unterstrich und uns viele Anregungen zu einem Thema bot, das uns in Zukunft gewiss noch öfter begegnen wird.

Die Notwendigkeit, wissenschaftliche Bibliotheken neu zu gestalten, entstand vor allem durch den Bologna-Prozess und die damit einhergehenden veränderten Verhaltensmuster von Studierenden in Bibliotheken, ist aber auch einem generellen Wandel der Gesellschaft geschuldet. Diesen gilt es zu berücksichtigen, ohne dabei die Funktionen der Bibliothek aus dem Blick zu verlieren – denn, wie Dr. Werner uns verriet, gilt ein Gebäude nur als „gut“, wenn es seine Funktion voll erfüllen kann. Manchmal allerdings produziere die Funktion auch gestalterische Schönheit.

Seien es Leselounges, kombinierte Theken oder flexibel wandelbare Gruppenarbeitsräume – eine Bibliothek muss nicht langweilig sein, was die gezeigten Beispiele eindrucksvoll bewiesen. Im Hinterkopf behalten werden muss dabei, dass die darin vorgestellten Konzepte nicht pauschal als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten sind, sondern lediglich Anreize für eine mögliche bauliche Veränderung von Bibliotheken bieten.

Andere wichtige Überlegungen waren die Fragen, was Lebensgefühl ist, inwiefern wir als Bibliothek es unterstützen und was vor allem dem Nutzer fehlt. Für die Studierenden von heute gehören Lernen und Entspannung zusammen, hob Dr. Werner hervor. Bibliotheken werden als Arbeits- und Aufenthaltsorte umso attraktiver, wenn Raum und Mobiliar beide Aktivitäten im Einklang erlauben.

Es müssen ja nicht gleich Bücherattrappen wie in der Bibliothek von Tianjin sein, die von Spiegel Online als „Bibliothek der Zukunft“ bezeichnet wurde, um „cool wie Apple oder auch Starbucks“ zu wirken und einen angenehmen, zukunftsfähigen Lern- und Lehr-Ort zu erschaffen. Auch mit kleinen, weniger in das tief verwurzelte Verständnis von Bibliotheken eingreifenden Veränderungen kann sich eine beeindruckende Wirkung erreichen lassen, wie uns dieser Vortrag enthüllte. Ein mögliches Schema zur Orientierung wurde uns dabei mit Andrew McDonalds „Top Ten Qualities of Good Library Space“ vorgestellt. Laut diesem sollten Bibliotheken unter anderem funktional, anpassungsfähig, veränderbar, einladend und vielseitig sein, Schutz und Sicherheit bieten und sich für Informations- und Kommunikationstechnologien eignen. Viel wichtiger allerdings ist das inoffizielle elfte Kriterium: der „Wow-Faktor“, also das gewisse Etwas, das nicht immer geplant werden kann, aber dennoch steuerbar ist und vielleicht genau den entscheidenden Schritt auf dem Weg in die Zukunft der Gestaltung von Bibliotheken darstellt.

Wir bedanken uns bei Dr. Werner für seinen aufschlussreichen Vortrag, aus dem wir sicherlich einige neue Denkansätze mitnehmen konnten.

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