Singapur – a „fine“ City
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Wenn ich auf die Frage, wohin mein Auslandspraktikum geht, mit “Singapur” geantwortet habe, war die Verwunderung erst einmal groß. So weit weg? Bis nach Asien? Kannst du dich da überhaupt verständigen?

Die Verständigung dort war kein Problem, Englisch ist die Amtssprache Singapurs neben Chinesisch, Malay und Tamil. Jeder Singapurianer kann Englisch und meistens noch eine der anderen drei Sprachen, aber vor allem Englisch. Nur die leichten dialektischen Einschläge, wie das berühmte „lah“ haben das Verständnis manchmal erschwert. Und auch die Entfernung hat man gar nicht so sehr gemerkt, in dieser internationalen Stadt.

Vier Wochen habe ich also an der Nationalbibliothek Singapur verbracht. Während in Deutschland der Schnee und die Temperaturen unter 0 Grad gefallen sind, habe ich bei 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit geschwitzt. Und dabei einiges über Singapur und seine Einwohner gelernt:

  1. Höflichkeit über alles. Jeden Morgen 10 Minuten, bevor die Türen der Bibliothek geöffnet werden, gibt es für die Mitarbeiter eine kleine Durchsage, a la „Bitte lächeln!“. Auch gibt es für alle Bibliothekare einmal jährlich eine Schulung für den richtigen – sprich höflichen – Umgang mit den Nutzern.
  2. Alles hat seine Ordnung. Egal ob das morgendliche Einsteigen in die U-Bahn (man muss sich in einer Reihe anstellen), Street Food (das eigentlich kein Street Food mehr ist, da es sich in einer Halle befindet) oder der Zugang zur „Rare Books Collection“ (man befindet sich niemals alleine in einem Raum mit den mehr oder weniger wertvollen Beständen). Alles ist sauber, für alles gibt es Regeln und – noch wichtiger – hohe Strafen.
  3. Während der Arbeit spricht man nicht. (Außer mit einem Nutzer.) Allgemein unterhält man sich in der Öffentlichkeit eher weniger. In der U-Bahn ist es selbst zu Berufsverkehrszeiten mucksmäuschenstill und im Büro kann man eine Stecknadel fallen hören. (Ich habe das mit einem Kugelschreiber ausprobiert.)

Hat man diese Grundregeln einmal verinnerlicht, kann einem in Singapur nichts passieren. Die überaus saubere und gepflegte Stadt ist offen und tolerant wie keine zweite. Alles andere wäre auch fatal bei 5,5 Millionen Einwohnern aller Ethnien und Religionen auf gerade einmal 700 km² (zum Vergleich: München mit seinen 1,4 Millionen Einwohner hat 300 km² Fläche). Wer deshalb einmal eine Fluchtmöglichkeit braucht nach all den Menschenmassen und Glas- Stahl- und Betonbauten im wirtschaftlichen Zentrum des Landes, der wird schnell fündig. Der Botanische Garten, der Zoo, die High-Tech Gartenanlage Gardens by the Bay, die Vergnügungsinsel Sentosa, die Wetlands (Sumpfgebiete) an der Grenze zu Malaysia sowie zahlreiche weitere Parks bieten eine Menge Abwechslung und überraschend viel Platz in dieser vollen Stadt.
Meine Aufgaben in der Bibliothek waren ähnlich vielseitig. Nach einem Rundgang durch die Bibliothek und einem Kennenlernen aller Abteilungen habe ich die meiste Zeit drei Projekten gewidmet. Einmal war es ein Vergleich des deutschen Pflichtablieferungsgesetzes mit dem singapurischen, da die Bibliothek ein Mitspracherecht bei der Novellierung ihres derzeit bestehenden „Legal Deposit Act“ hat. Dieser soll um Online-Publikationen und Web-Archiving ergänzt werden.

Weiterhin sollte ich deutsche Bibliothekskataloge nach für die Nationalbibliothek interessanten Titeln durchsuchen, mit denen sie ihre Sammlung erweitern können.

Die interessanteste Aufgabe war allerdings die Arbeit mit den deutschsprachigen Titeln aus der „Rare Books Collection“. Die Nationalbibliothek Singapur hat eine ganze Reihe Reiseliteratur aus dem 18. und 19. Jahrhundert in allen erdenklichen europäischen Sprachen von Händlern, Soldaten oder Geistlichen verfasst. Aus diesen sollte ich mir die deutschsprachigen Titel aussuchen, um sie auf einen möglichen Bezug zu Singapur hin durchzusehen und anzulesen. Natürlich mit einer Übersetzung dieser Stellen.

Mit vielen neuen Eindrücken sind die vier Wochen in Singapur wie im Fluge vergangen. Ich habe viel gelernt, viele neue Freundschaften geschlossen und Erinnerungen gesammelt. Ich kann nur jedem empfehlen diese Chance zu nutzen!

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei unserer Dozentin für Französisch, Frau Dr. Claudia Fabian, bedanken, die den Kontakt zur Nationalbibliothek Singapur hergestellt hat und somit dieses Praktikum erst möglich gemacht hat.

Michaela Beißer, Kurs QE 3 Bibl. 2015/2018

P.S.: Haben Sie herausgefunden, warum man Singapur „a fine city“ nennt? (Kleiner Tipp: das Wort hat mehrere Bedeutungen).

National Library Singapore

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Singapur bei Nacht

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Traditioneller Löwentanz zum chinesischen Neujahrsfest

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Marina Bay Sands mit Art and Science Museum

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