Eine kurze neuere Geschichte des Buchmarktes mit Prof. Klaus G. Saur
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Am 08.05.2018 hatte der Fachbereich die große Ehre den renommierten Verleger Karl G. Saur zu einem Gastvortrag über die Entwicklung des Buchmarktes in den vergangenen 25 Jahren zu begrüßen. Am Vortrag nahmen sowohl die beiden sich zurzeit am Fachbereich befindenden Kurse des Studiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement, als auch der derzeitige QE3 Kurs der Fachrichtung Archivwesen und weitere interessierte Gäste des Fachbereiches teil.

Herr Saur begann den Vortrag mit Thematik der historischen „Heimat“ des Verlagswesens in Deutschland. Schon Gutenberg, der das erste Buch mit beweglichen, metallenen Lettern druckte, war nicht nur für seine Erfindung, sondern auch für seinen Umgang mit Kunden und scharfen Geschäftssinn bekannt. So war er nicht nur der erste Buchdrucker Europas, sondern auch eine Art erster Verleger. Die Tatsache, dass der Buchdruck und auch das Verlagswesen seinen Ursprung im deutschsprachigen Raum hatten, ist auch einer der Gründe, weshalb es bis in die 1930er Jahre keine nennenswerten wissenschaftlichen Verlage in den USA gab. Dann jedoch haben die Nationalsozialisten alles kaputt gemacht, wie Herr Saur diesen kurzen Exkurs beendete.

Die Immigration, die während dieser Zeit auch aus dem Verlagswesen in die USA und anderswo in die Welt stattfand, führte zu einem Übergang des Knowhows deutscher Verleger in die Welt – und forderte damit schlussendlich die bis dahin unangefochtene Marktmacht Deutschlands (oder des Deutschen Reiches) im Buchmarkt.

Da es in diesem Vortrag jedoch um die letzten 25 Jahre des Buchmarktes gehen sollte, begann Herr Saur nun, die wichtigsten Veränderungen, die auf den Buchmarkt in den Jahren 1990 bis 2015 zukamen, vorzustellen.
So erklärte Herr Saur die Zahlen der Buchproduktion der letzten Jahre genauer: Tatsächlich ist es nämlich so, dass, während die Zahl der Neuerscheinungen bis ins Jahr 2011 anstieg, die Zahl der tatsächlich gedruckten Bücher rückläufig ist. Dies liegt unter anderem daran, dass die Auflagen stetig geringer werden und es heute verschiedenste Anbieter von  „Book on Demand“ – Druckereien gibt, die günstig auch sehr kleine Auflagen drucken lassen. So wird z.B. das „self-publishing“, also das Verlegen der eigenen Bücher ohne zwischengeschalteten Verlag, ermöglicht.
Weitere Veränderungen, die Herr Saur in seinem Vortrag betrachtete, sind das Aufkommen und seit kurzem tatsächlich auch wieder Abnehmen des Hörbuch- und E-Book- Absatzes: Beide Formate verlieren wieder Marktanteile, obwohl sie erst, verglichen mit dem Medium Buch, vor kurzem in den Markt eingeführt wurden.
Natürlich kam Herr Saur auch auf die Entwicklung von Datenbanken zu sprechen, die schlussendlich vor allem auch Universallexika wie dem Brockhaus oder Wörterbüchern wie dem Duden das Leben schwer machten – und im Falle vom Brockhaus sogar gänzlich verschwanden. Insgesamt gibt es laut Herrn Saur für Verlage im klassischen Buchgeschäft heute keine Art mehr, organisch zu wachsen – die einzige Möglichkeit besteht darin, sich gegenseitig aufzukaufen. Diese Verlagskonzentration schafft natürlich Riesen wie Elsevier oder Springer. Insgesamt geht es dem mittleren und kleinen Verlagswesen in Deutschland aber tatsächlich besser, als man es vor zwanzig Jahren gedacht hätte und deren Absatz bleibt auf einem konstanten Niveau.

Herr Saur beendete seinen mit vielen Zahlen untermauerten Vortrag mit einer kleinen Fragerunde, in der die Teilnehmer Fragen zu Audible, dem Wachstumspotenzial von E-Books auf dem Buchmarkt und zu seiner Meinung zu den DEAL-Verhandlungen stellten. Zu letzterem stimmte er den Bibliotheken trotz seiner vergangenen Tätigkeit als Verleger zu und ermutigte ihre Standhaftigkeit in den andauernden Verhandlungen mit Elsevier.
Der Fachbereich bedankt sich herzlich bei Herrn Saur für seinen Vortrag über die letzten (sehr ereignisreichen) 25 Jahre des Buchmarktes in Deutschland!

Franziska Zenkel, Kurs QE3 Bibl. 2015/18

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