Zu Gast bei der Staatsanwaltschaft München I und beim Polizeipräsidium München
Archiv Praktikum 3

Überraschende Drogenverstecke, kuriose Waffen und ein außergewöhnlicher Lift – das alles sahen wir, der Kurs 2017/20 der dritten Qualifikationsebene der Fachrichtung Archivwesen, bei unseren Besuchen der Staatsanwaltschaft München I und des Polizeipräsidiums München. Organisiert hatte die beiden Exkursionen, die im Rahmen unseres Praktikums am Staatsarchiv München stattfanden, die Praktikumsbetreuerin der Station „Staatsanwaltschaften“, Frau Dr. Ulrike Hofmann.

Am Beginn unseres Tages bei der Staatsanwaltschaft am 23. April stand ein Treffen mit dem stellvertretenden Behördenleiter Herrn Weith, der die Institution kurz vorstellte, einen Einblick in ihre Arbeit und Aufgaben gewährte und einige Rahmendaten nannte. Dabei erfuhren wir, dass die für die Stadt und den Landkreis München zuständige Behörde mit rund 200.000 Ermittlungsverfahren im Jahr und circa 400 Mitarbeitern, davon 177 Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, die größte derartige Einrichtung Bayerns ist und auch im bundesweiten Vergleich sehr weit vorne liegt. Wichtigste Aufgabe der Staatsanwaltschaft, so Weith, sei die Aufklärung von Straftaten. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dabei über die öffentliche Klageerhebung und vertritt die Anklage vor Gericht. Außerdem ist sie für die Strafvollstreckung unter anderem von Freiheits- und Geldstrafen sowie Sicherungsverwahrungen zuständig.
Anschließend besichtigten wir die Registratur, deren Aufbau und Arbeitsweise uns die Leiterin Frau Preis erläuterte. Aus der Perspektive von uns angehenden Archivaren war es sehr interessant zu sehen, wie die Unterlagen, sprich die späteren Archivalien, gelagert und beispielsweise für die Abgabe ans Archiv vorbereitet werden. Von der Registratur ging es weiter zur Asservatenstelle, wo die Beweismittel der Ermittlungsverfahren aufbewahrt werden. Auch hier erhielten wir einen Überblick über die Abteilung und deren Arbeitsabläufe. Am Beispiel eines neu eingetroffenen Beweisstücks wurde uns erläutert, wie der Zugang vermerkt, das Asservat in die Datenbank aufgenommen und schließlich nach einem bestimmten System im Regal abgelegt wird. Ein Highlight des Besuchs war sicherlich die Vorführung einiger kurioser Beweismittel, darunter als Drogenverstecke präparierte Getränkedosen und Gürtel, Feuerzeuge mit versteckten Klingen und als Handy getarnte Elektroschockgeräte sowie Schlagringe in Form von Gürtelschnallen.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine bildete der Besuch zweier öffentlicher Gerichtsverhandlungen den Abschluss des lehrreichen Tages. In der einen ging es um Beleidigung, in der anderen um Unterschlagung; beide endeten mit einem Freispruch.

Am 16. Mai waren wir zu Gast beim Polizeipräsidium München. Nachdem wir von Polizeiobermeisterin Balzer an der Pforte empfangen, unsere Ausweise kontrolliert und ein paar Fotos unserer Gruppe für die Mitarbeiterzeitung des Präsidiums geschossen worden waren, ging es los mit einer kurzen Einführung zum Polizeipräsidium: Wir erfuhren Grundsätzliches über die Struktur der Behörde, deren Aufgaben, Abteilungen und die Kriminalstatistik im Zuständigkeitsbereich.
Anschließend nahm uns Herr Müller von der Pressestelle mit auf einen Rundgang durch das Gebäude. Dabei hatten wir auch die nicht alltägliche Gelegenheit, mit einem historischen Paternosteraufzug zu fahren. Wir nutzten diese Möglichkeit gerne, auch wenn es anfangs ein etwas ungewohntes Gefühl war, in einem türlosen, knarzenden Kasten befördert zu werden und jeweils bei „voller Fahrt“ ein- und aussteigen zu müssen. Herr Müller führte uns außerdem durch eine kleine Ausstellung im Haus, in der zum Beispiel das Olympia-Attentat von 1972 oder der Mord an Rudolph Moshammer thematisiert werden. Im Presseraum erläuterte er die Aufgaben seiner Abteilung. Danach gewährte uns Herr Mutenzer vom Morddezernat K11 in einem kurzen Vortrag einen Einblick in die Tätigkeitsbereiche seiner Fachdienststelle. Dabei ging er insbesondere auf das dort praktizierte System der Aktenführung ein, die in der Regel einer chronologischen oder thematischen Ordnungsstruktur folgt. Zum Abschluss berichteten uns zwei Mitarbeiter der internen Aktenverwaltung über Aufbau und Arbeitsweise der Registratur des Polizeipräsidiums, besichtigten mit uns einen der Räume zur Aufbewahrung der Akten und führten uns den High-Tech-Scanner der Abteilung vor, mit dem in beeindruckender Geschwindigkeit bis zu 20.000 Seiten am Tag digitalisiert werden. Unser Aufenthalt endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine.

Für die zwei sehr interessanten Exkursionen, durch die wir viele Hintergrundinformationen über die beiden Abgabebehörden erhalten haben, bedanken wir uns ganz herzlich bei Frau Dr. Hofmann als Organisatorin sowie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium, die uns diese Besuche ermöglicht und sich Zeit genommen haben, uns ihre Arbeitsstellen näher zu bringen.

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