Ausstellung König Ludwig I. als Antikensammler und Bauherr der Glyptothek
Lehrausstellung: Ludwig I.

Im Zuge des Studiums des Archivwesens dürfen die angehenden Archivare eine kleine Lehrausstellung erstellen, deren Bewertung ähnlich wie bei den Bibliothekaren die Diplomarbeit in die Abschlussnote einfließt. Die Themen für unseren Kurs 2012/15 waren frei wählbar und so entstanden je nach den Interessen der Kurskollegen eine Reihe sehr interessanter Ideen und Konzepte. Ich entschied mich für ein Thema mit Bezug zu Ludwig I. von Bayern, das antike Kultur mit bayerischer Geschichte zusammenbringen sollte, nämlich der Erbauung der Glyptothek in München.
Bei meinen Literaturrecherchen stellte ich fest, dass das Museum nicht nur eine interessante Entstehungsgeschichte hat, sondern dass sich auch über den Aufbau der Skulpturensammlung, die es beherbergen sollte, spannende Anekdoten erzählen lassen. Ich beschloss die Ausstellung in zwei Themenbereiche zu gliedern, die in enger Verbindung stehen: Kunstankäufe, sowie Planung und Ausführung der Glyptothek.

König Ludwig I. von Bayern war bekannt für seine Liebe zur Kunst, die durch eine Italienreise in Jugendjahren geweckt wurde. Besonders Werke antiker Skulptur hatten es dem damaligen Kronprinzen angetan. Innerhalb weniger Jahre trug er eine beeindruckende Sammlung zusammen, darunter so berühmte Werke wie die Medusa Rondanini und der Barberinische Faun.
Die Ankäufe der Antiken fanden hauptsächlich in Italien, aber auch in Griechenland mit Hilfe des Malers und Bildhauers Johann Martin von Wagner statt, der sich zum wichtigsten Agenten und Berater Ludwigs in Kunstangelegenheiten entwickelte.
Der Briefwechsel zwischen Kronprinz und Agent lieferte interessante, teils amüsante Hintergrundinformationen, die mittels Schriftstücken und Zeichnungen in der Ausstellung dokumentiert werden konnten. Als Beispiele seien genannt die abenteuerliche Reise Wagners in die als unzivilisiert empfundenen griechischen Lande oder die Bemühungen, Konkurrenz auf dem Kunstmarkt auszuspielen, die unter anderem zur Verschlüsselung der Korrespondenz führten.
Eine besondere Freude bereitete mir die Glyptothek mit ihren Leihgaben, durch die es möglich war zwei der Kunstwerke in Abgüssen zu zeigen.

Die Baugeschichte der Glyptothek, die einen der ersten eigens als Museum errichteten Neubauten Europas darstellt, dokumentierten Schreiben zwischen Ludwig und Klenze, sowie ein Gutachten Wagners. Als Ausstellungsstücke konnte ich zudem Baupläne und Fotografien der Innenräume verwenden.
Ludwig I. beschloss bereits recht früh während der Ankaufsphase, dass die Kunstwerke der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten und plante zu diesem Zweck ein Gebäude, das am Königsplatz entstehen sollte. Der Kronprinz lernte den jungen Architekten Leo Klenze kennen und ließ sich von dessen Entwürfen für den Museumsbau überzeugen. Es war das erste einer ganzen Reihe von gemeinsamen Projekten, die auch heute noch das Münchner Stadtbild prägen.
Die Umsetzung zog sich über eine deutlich längere Zeit hin, als ursprünglich geplant und war begleitet von finanziellen Problemen sowie der Kritik an der Ausführung durch Wagner. Die Eröffnung der Glyptothek fand schließlich im Jahre 1830 statt und Klenze erstellte unter Mitarbeit von Ludwig Schorn eigens einen kleinen Museumsführer. Die ursprüngliche Pracht der Innenausstattung des Gebäudes ist heute jedoch verloren, da das Museum im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde.

Die Ausstellung umfasst insgesamt 33 Exponate und ist unter dem Titel „König Ludwig I. als Antikensammler und Bauherr der Glyptothek“ vom 1. April bis zum 6. Mai  2014 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu sehen.

Verena Ott (Kurs Q3 Archiv 2012/2015)

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