Ausstellung: Joseph Edmund Jörg – Archivar, Politiker und Publizist (1819-1901)
Joseph Edmund Jörg

Die Erarbeitung einer Lehrausstellung samt Begleitpublikation bildet zur Halbzeit des Vorbereitungsdienstes den mit einer Diplomarbeit vergleichbaren Leistungsnachweis der Archivanwärter. Für ein in der Regel selbst gewähltes Thema ist innerhalb von vier Monaten ein Konzept für die Gestaltung zweier Schaukästen im Treppenhaus des Bayerischen Hauptstaatsarchivs zu erstellen. Dazu soll ein Ausstellungskatalog mit wissenschaftlichem Einleitungstext und aussagekräftigen Exponatbeschreibungen verfasst werden.
Am 4. Februar eröffnete nach nur der Hälfte der vorgesehenen Bearbeitungsfrist meine Präsentation „Joseph Edmund Jörg – Archivar, Politiker und Publizist (1819-1901)“ den Reigen der Lehrausstellungen. Diese widmete sich der Biographie eines außergewöhnlichen Vertreters der Archivarszunft im 19. Jahrhundert. Dabei wird Edmund Jörg noch heute überwiegend als Abgeordneter, Autor und Herausgeber der „Historisch-politischen-Blätter für das katholische Deutschland“ wahrgenommen. Sein öffentliches Wirken als Repräsentant eines bayerischen Konservatismus versuchte ich, entsprechend gerafft, in beispielhaften Exponaten darzustellen. So konnte ich etwa das Abstimmungsprotokoll des Landtags zu den Bündnisverträgen mit Preußen präsentieren, das Jörgs Niederlage als Wortführer der Eigenständigkeit Bayerns 1871 dokumentiert.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stand jedoch sein verwickelter Werdegang als Archivbeamter, der sich vergleichsweise umfassend in der staatlichen Überlieferung widerspiegelt. Zunächst wurde dabei das fortwährende Spannungsverhältnis seiner politischen Überzeugungen mit den dienstlichen Pflichten thematisiert. Den unausweichlichen Konflikt mit der liberalen Regierung trieb der hierbei gezeigte Brief an Innenminister Graf von Reigersberg auf die Spitze. Ein wortreicher Sarkasmus lässt zudem Jörgs streitbaren Charakter erahnen, der seinem Fortkommen auch später oft im Wege stand.
Die mit persönlichen Schicksalsschlägen verbundene Strafversetzung ins entlegene Neuburg an der Donau bot anschließend Gelegenheit, den Privatmenschen Edmund Jörg einer Betrachtung zu würdigen. Als er 1866 wieder in staatlichen Gnaden an das Archiv nach Landshut berufen wurde, tat sich ihm als Kastellan der Burg Trausnitz ein neues Betätigungsfeld auf. Die von Jörg angeregte Renovierung der Georgskapelle wurde als herausragendes Zeugnis seines dortigen Schaffens in mehreren Exponaten dokumentiert. Das archivarische Äquivalent hierzu bildeten schließlich die ausgestellten Kästen des „Jörgschen Zettelkatalogs“, eines nach ihm benannten Ortsbetreffregisters mit mehr als 10.000 Einzelblättern.
Insgesamt präsentierte die Ausstellung 32 Exponate, darunter auch Leihgaben der Bayerischen Staatsbibliothek, und war vom 4. Februar bis 18. März 2014 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu sehen.

Ferdinand Wagner (Kurs Q3 Archiv 2012/15)

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