Ausstellung in der BSB: Welten des Wissens – Hartmann Schedels Bibliothek und seine Weltchronik
Welten des Wissens

„Die werlt wirdt darumb ein umbkrais genant da sie simbel rotund gescheybelt oder kugelt ist.“
Auf zu neuen Ufern – oder besser: zu neuen „Welten des Wissens“.

Der erste Studientag des neuen Jahres führte uns am 7. Januar 2015 in die Ausstellung „Welten des Wissens“ an der Bayerischen Staatsbibliothek. Zum 500. Todestag von Hartmann Schedel zeigt die BSB dessen bekannte Weltchronik und weitere, bedeutende Bücher aus Schedels umfangreicher Privatsammlung.
Frau Dr. Wagner, eine der Kuratorinnen, erklärte uns den inhaltlichen  Aufbau der 1493 veröffentlichten, ersten deutschen Weltchronik anhand einer eindrucksvollen, großen Schautafel und führte uns anhand der vielfältigen Exponate durch Schedels Leben.

Hartmann Schedel – geboren 1440 als Sohn des Nürnberger Kaufmanns Hartmann Schedel des Älteren – hatte in Leipzig und Padua Medizin studiert und auch Städte wie Venedig bereist. Vor der Pest geflüchtet, konnte er Eindrücke des italienischen Landlebens gewinnen und diese etwa in Zeichnungen weiterverarbeiten.
Schedel interessierte sich für fast alle Wissensgebiete des Spätmittelalters: Rhetorik, Astronomie, Philosophie, antike und humanistische Literatur, Geschichtsschreibung, Geographie und Kosmographie, Medizin, Jura, Theologie.

Davon, dass Hartmann Schedel auch die Möglichkeit hatte, die griechische Sprache zu erlernen, zeugt etwa ein griechisches Wörterbuch aus seinem Besitz.
Auch seltene Stücke wie das Rechnungsbuch eines Kaufmanngehilfen (Schedels Bruder) oder ein Liederbuch werden in der Ausstellung gezeigt. Von Schedels Wirken als Arzt zeugen u.a. ein Rezeptbuch in ungewöhnlichem Hochformat oder auch medizinische Werke aus der Zeit seines Studiums.

Auch mit zentralen biographischen Quellen wartet die Ausstellung auf.

Zentrales Stück der Ausstellung und untrennbar mit Schedel sowie dem Nürnberger Frühdrucker Anton Koberger verbunden ist natürlich die „Schedelsche Weltchronik“. Bei der Chronik handelt es sich  um eine universalhistorische Darstellung der Weltgeschichte, eingeteilt  in sechs Weltenalter. 1493 herausgebracht, macht diese das breite Wissen Hartmann Schedels in Bild und Text sichtbar und ist vor allem wegen ihrer zahlreichen, detailgetreuen und z.T. erstmaligen Stadtansichten bis heute weltbekannt.
Der Besucher der Ausstellung wird bereits vor Betreten der Schatzkammer von großformatigen Ansichten Münchens (vom Isartor aus gesehen, was auch heute noch gut erkennbar ist) und Nürnbergs (der prominentesten Illustration in der Chronik) begrüßt…
Bei der Chronik handelt es sich um den am häufigsten erhaltenen Druck des 15. Jahrhunderts: über 1700 Exemplare der lateinischen und deutschen Ausgabe, die beide im Jahr 1493 erschienen, sind nachgewiesen.

Dank Schedels Auffassung, dass „Bücher […] treue Freunde“ sind, verfügt die Bayerische Staatsbibliothek heute mit seiner Bibliothek über die wohl umfassendste private Büchersammlung, die sich aus dem 15. Jahrhundert erhalten hat.

(Kurs Q3 Bibl. 2014/2017)

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