Vortrag von Dr. Schüller-Zwierlein: Vom Bibliothekswesen zum Bibliothekssystem
Dr. Schüller-Zwierlein

Ein Buch, zwei Bücher, viele Bücher – eine Bibliothek. Ab welcher Größenordnung man eine Büchersammlung als Bibliothek bezeichnet, darüber lässt sich streiten. Dass diese Frage im universitären Rahmen durchaus bedeutsam sein kann, zeigte der stellvertretende Direktor der UB der LMU München, Herr Dr. Schüller-Zwierlein in seinem interessanten und spannenden Vortrag am 29.01.2015 im Fachbereich AuB der FHVR.
Am Beispiel der Bibliothek der LMU führte er den Zuhörern vor Augen, wie vielschichtig und ausdifferenziert das Bibliothekswesen einer einzigen Universität sein kann und welche Überlegungen und Anstrengungen unternommen werden müssen, macht man sich daran, ein nach außen transparentes und benutzerfreundliches Bibliothekssystem daraus zu entwickeln.
Auf unterhaltsame Weise erläuterte Herr Dr. Schüller-Zwierlein die Pläne der UB München, die rund 90 Institutsbibliotheken, die zum Teil aus nur wenigen 100 Bänden bestehen, schrittweise zu größeren Einheiten zu bündeln.
Ziel ist es, aus mehreren fachlich ähnlichen Institutsbibliotheken Fachbibliotheken an einem für Fachnutzer gut erreichbaren Standort zu gewinnen, dadurch die Zugänglichkeit zur benötigten Literatur für Studenten so einfach wie möglich zu machen und so ein einheitliches Bibliothekssystem zu schaffen. Ein solches System bestehe wie eine Maschine aus definierten Einzelteilen, die vereinheitlicht seien und zusammenarbeiten würden.
In der Praxis bedeutet dies nicht nur die Zusammenführung der vielen Institutsbibliotheken zu größeren Einheiten, sondern auch die zentrale Verwaltung von Etat und Personal, die Definition und Umsetzung eines gemeinsamen Geschäftsgangs, die Entwicklung einer „Corporate Identity“ und vieles mehr.
Dabei gilt es, die Bedürfnisse der jeweiligen Fachnutzer zu berücksichtigen. Im Zuge dessen wird beispielsweise die geplante Fachbibliothek des Philologicums unter anderem einen Vortragssaal erhalten, um die Traditionen des wissenschaftlichen Austauschs in der Bibliothek (mit oder ohne Rotwein) weiterzuführen.
Die Bündelung des bibliothekarischen Angebots bringt dabei Herausforderungen für die Organisation der Bibliothek mit sich. So müssen bestehende Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe durchleuchtet und vereinheitlicht werden, um homogene Datengrundlagen für die Standortzusammenlegungen zu schaffen. Ein langwieriger Weg, den die UB der LMU beschreitet, aber mit einem überaus rentablen Ziel.
Bei 12 Fachbibliotheken hat die Zusammenlegung bereits geklappt, die restlichen Fachgebiete sollen schrittweise folgen. Für das Jahr 2015 ist die Zusammenführung der Geowissenschaften geplant, in den darauffolgenden Jahren wird das Projekt fortgesetzt und die Universitätsbibliothek der LMU damit nach und nach zu einem funktionell einschichtigen Bibliothekssystem werden.

Wir danken Herrn Dr. Schüller-Zwierlein für seinen anregenden Vortrag und den praktischen Einblick in die Herausforderungen der LMU-Bibliothek.

Natalie Hofbauer, Iris Steil (Kurs Q3 Bibl. 2013/16)

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