Das Kilogramm – Einführung des metrischen Gewichtssystem in Bayern 1869. Lehrausstellung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
Das Kilogramm

Ein Kilogramm sind 1.000 Gramm – eine so einfache wie bekannte Weisheit. Wer tiefer bohrt, stößt aber auf neue, weniger leicht zu beantwortende Fragen: Was ist denn ein Gramm? Die Antwort darauf ist auch weit weniger eingängig und einfach. Es handelt sich um ein Gewicht, dass zusammen mit dem Meter als neue Maßeinheiten im revolutionären Frankreich eingeführt wurde. Ein Gramm, so definierte man damals, war das Gewicht von destilliertem Wasser bei 4°C. Zur besseren Vergleichbarkeit wurde ein Urkilogramm angefertigt, dessen Gewicht von nun an das Kilogramm auf der ganzen Welt definierte.  Anders als andere Errungenschaften der Französischen Revolution konnten sich die neuen Einheiten außerhalb Frankreichs zunächst nicht durchsetzen. Zu sehr hingen die Bayern noch an ihrem alten Pfund, das 560 g wog. Erst 1869 waren die Tage des Bayerischen Pfunds gezählt und der Landtag führte das neue Gewicht mit dem folgenden Jahr ein. Damit einher ging die Umsetzung dieser Maßnahme. Es wurde eine Normal-Eichungs-Kommission gebildet, die überwachte, dass ein Kilo überall in Bayern genau so viel wog wie das Urkilo, das in Paris aufbewahrt wurde. Sie bewahrte daher auch das bayerische Urkilo auf, das als Kopie seines Pariser Vorbildes gefertigt wurde. Um die Gewichtsreform durchzusetzen, wurden in jedem Winkel Bayerns Verifikatoren (oder Eichmeister) bestellt, die die vorhandenen Gewichte überprüften. Dabei kam es vor allem in der Anfangszeit zu Missverständnissen.
Der Einführung des Kilogramms in Bayern hat sich eine von Patrick Rieblinger (Kurs Q3 Archiv 2012/2015) erarbeitete Ausstellung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv 2015 gewidmet.

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